Geschichte

Tag-Nacht-Grenze über Europa und AfrikaUrsprünglich verfügte jeder größere Ort über seine eigene Uhrzeit, die nach der Sonne synchronisiert wurde. Wenn die Sonne ihren höchsten Punkt über dem Horizont erreichte, war es 12 Uhr mittags. Reist man mit dem Finger auf der Landkarte Richtung Osten, dann schreitet man in der Zeit voran, in Richtung Westen dagegen dreht man die Zeit zurück.

Dieser Zeitreise ist jedoch eine Grenze gesetzt, die so genannte Datumsgrenze. Überschreitet man sie Richtung Osten, gewinnt man einen Tag hinzu, in Richtung Westen verliert man einen Tag.

Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen und der Einführung von Fahrplänen erwies sich das alte Zeitsystem als zu kompliziert, da ständige Zeitumstellungen in den Fahrplänen berücksichtigt werden mussten.

Ein weltweites Zeitzonensystem wurden zuerst 1879 vom kanadischen Eisenbahningenieur Sir Sandford Fleming (1827-1915) als Eisenbahnzeit vorgeschlagen. Dies führte nach einigen vorbereitenden internationalen Konferenzen auf der Internationalen Meridiankonferenz im Oktober 1884 in Washington, D.C. dazu, dass die Erde zunächst in 24 Stundenzonen von je 15 Längengraden aufgeteilt wurde. Die Differenz zwischen jeder Zone betrug damit 60 Minuten oder eine Stunde und somit 23 Stunden maximal zu der jeweils rückwärts gesehen ersten Zeitzone. Auf dieser Konferenz einigte man sich auf den 1883 zur Berechnung der Weltzeit festgesetzten Greenwich-Meridian als Nullmeridian.

Einführung in Deutschland
Im Deutschen Reich wurde mit dem Zeitgesetz von 1893 die mittlere Sonnenzeit des 15. Längengrades als gesetzliche Zeit verankert. Zuvor galt in den einzelnen Ländern individuelle Zeiten, so galt z.B. in Bayern die Münchner Ortszeit als verbindlich, welche gegenüber der in ganz Preussen geltenden Berliner Zeit einen Versatz von 7 Minuten (entsprechend ca. 2 Grad) hatte. Vorreiter einer einheitlichen Zeit waren auch in Deutschland die Eisenbahnen. Die Preussischen Staatsbahnen auf dem Gebiet des Norddeutschen Bundes verwendendten ab den 1880er Jahren die Berliner Zeit als interne Betriebszeit, die Süddeutschn Bahnen jedoch bereits die MEZ. 1890 einigten sich die im Verein deutscher Eisenbahnen organisierten Staatsbahnen auf diese Zonenzeit als allgemeine Betriebszeit. Mit dem erwähnten Zeitgesetz wurde diese dann auch für den Alltag verbindlich. Die Umstellung der Landes-/Ortszeiten erfolgte am 1.4.1893.


Einführung in Östereich
Anders als in den meisten anderen Ländern wurde in Östereich Mitte des 19. Jahrhunderts nicht die Zeit der Hauptstadt Wien (16 Grad öL), sondern die Prager Zeit (14,5 Grad öL) verwendet. Im Eisenbahnbereich wurden jedoch, je nach Strecke, die Lindauer, Münchner, Prager, Budapester oder Lemberger Zeit verwendet. Bedingt durch die Erfahrungen aus Deutschland wurde mit dem 1. Oktober 1891 von den österreichischen Staatsbahnen die so genannte Stunden-Zonenzeit eingeführt, welche sich wie in Deutschland auf die Ortszeit des 15. östlichen Längengrades bezog (MEZ). Für das damalige Östereich, mit einer Ausdehnung vom ca. 9. bis 23. Längengrad ein gutes Mittel. Da der Unterschied zur Prager Zeit weniger als zwei Minuten beträgt, war die Umstellung, zumindest für die Hauptstädter, nicht sehr groß.


Einführung in der Schweiz
In der Schweiz wurde bereits mit der Gründung des Bundesstaates 1848 eine einheitliche Zeit eingeführt. Da damals nur Bern und Genf über ausreichend genaue Sternwarten verfügten wurde die Berner Zeit verwendet. Ab dem Jahr 1859 erfolgte die Ermittlung in der neuen Sternwarte in Neuenburg (Stadt), weiterhin jedoch auf Basis der Berner Ortszeit. Da Bern auf 7,5 Grad östlicher Länge liegt ergab sich ein Versatz von 30 Minuten gegenüber der MEZ. Am 18.Mai 1894 erliess der Berner Regierungsrat eine Weisung, nach der "zur Vermeidung einer verwirrenden Zweispaltigkeit der Zeitbestimmung [...] diese mitteleuropäische Zeit auch für das bürgerliche und amtliche Leben eingeführt werden, und es sollten sämtliche öffentlichen Uhren (Kirchenuhren und andere) auf den 1.Juni nächsthin um 30 Minuten vorgerückt werden. ". Dieser wechsel wurde von den anderen Kantonen nachvollzogen.


Die heutige Situation
Heute sind die Zeiten in den verschiedenen Zeitzonen an die Koordinierte Weltzeit (UTC) angekoppelt, die damit die Funktion der "Greenwich Mean Time" (GMT) übernommen hat. Genau wie Letztere ist auch die UTC nach dem nullten Längengrad ausgerichtet, dieser verläuft durch Greenwich/London. Die Zeiten in den anderen Zeitzonen ergeben sich durch Hinzufügen oder Abziehen einer (meistens) ganzzahligen Anzahl von Stunden, je nach ihrem (mittleren) Abstand vom sog. nullten Längengrad.

Jedem Land wurde eine Zeitzone zugeordnet. Länder mit sehr großer Ost-West-Ausdehnung haben mehrere Zeitzonen. So ist zum Beispiel Russland über elf Zeitzonen verteilt, die USA über sechs, Kanada über fünf, Brasilien über vier sowie Australien und Mexiko über drei Zeitzonen. China hingegen hat trotz seiner großen Ost-West-Ausdehnung nur eine Zeitzone.

Allerdings gibt es auch Länder oder Regionen, die weiterhin ihre spezifischen Zeiten haben, deren Differenz zu anderen Zeitzonen keine vollen Stunden betragen. So liegen zum Beispiel der Iran dreieinhalb Stunden, Afghanistan viereinhalb Stunden, Indien fünfeinhalb Stunden, und die australischen Bundesstaaten "Northern Territory" und "South Australia" neuneinhalb Stunden vor der koordinierten Weltzeit. Die Gründe für diese Sonderfälle sind vor allem politisch-historischer Natur.


Politik versus Zeit
Aber auch heutzutage haben die Zeitzonen mehr politische Bedeutung als den Sinn der Angabe der genauen Tageszeit. Innerhalb der Europäischen Union gehören die meisten Länder der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) an, die eine Stunde vor der koordinierten Weltzeit liegt. Portugal, das Vereinigte Königreich und die Republik Irland benutzen UTC, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Griechenland und Zypern benutzen die osteuropäische Zeit (+2h gegenüber UTC). In einigen Ländern gab es dabei immer wieder Versuche, sie an die mitteleuropäische Zeitzone anzuschließen.

Diese Vorliebe für die Mitteleuropäische Zeit führt dazu, dass auf den Ost-Norwegen vorgelagerten Inseln (Vardø) die Sonne bereits um 10:53 Uhr am höchsten Punkt steht, an der nordwestspanischen Küste (Kap Finisterre) dagegen erst um 13:37 Uhr MEZ, während der Sommerzeit eine Stunde später. Portugal hat die MEZ wieder aufgegeben, da die Kinder selbst im Sommer noch bei Dunkelheit zur Schule gehen mussten.

In der Volksrepublik China - deren Territorium etwa fünf Zeitzonen (UTC+5h bis UTC+9h) überschneiden würde - wird nur eine einzige Zeit (UTC+8h) benutzt, die der koordinierten Weltzeit acht Stunden voraus ist. Ausschlaggebend für diese Festlegung war seinerzeit die Zeit in Peking. Im westlichsten Zipfel von China ist somit der astronomische Mittag erst um 15:00 Uhr, im Osten um 11:00 Uhr.

In der russischen Exklave Kaliningrad war es nach der Wende einige Jahre lang eine Stunde später als im östlich(!) angrenzenden Litauen und zwei Stunden später als im südlich angrenzenden Polen, denn maßgeblich war für Kaliningrad die westlichste Zeitzone im russischen Mutterland, also +3h gegenüber UTC. Heute hat die Exklave die osteuropäische Zeitzone (UTC+2h) übernommen.

Aus Handelsgründen gilt in Singapur die gleiche Zeit wie Hongkong, damit die Börsen der beiden Städte zur gleichen Zeit eröffnen und schließen. Somit findet der Sonnenauf- und -untergang um 07:00 Uhr und 19:00 Uhr statt, im Gegensatz zur astronomischen Zeit (Singapur liegt nur 1° nördlich des Äquators) von 06:00 Uhr und 18:00 Uhr. Auch Malaysia benutzt die gleiche Zeitzone wie Singapur und Hongkong.

In Nepal beträgt die Zeitverschiebung +5:45h gegenüber der UTC, damit will sich das kleine Land vom großen Nachbarn Indien abgrenzen, der +5:30h hat.

In Kuba wurde 2004 auf Grund einer massiven Energiekrise beschlossen, in der Sommerzeit zu verbleiben. Somit hat Kuba jetzt ganzjährig UTC-4, anstatt der vorher gültigen, und geographisch "richtigen" UTC-5. Somit ergeben sich die gleichen Phänomene, wie oben für Singapur beschrieben.


Sommerzeit
Viele Länder wechseln in der Frühlingsmitte in eine andere Zeitzone, im Herbst wieder zurück. So gilt etwa in den mitteleuropäischen EU-Staaten im Winter die MEZ (UTC+1), in den Sommermonaten aber die mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ, UTC+2). Wenn Länder auf der Südhalbkugel die Sommerzeit verwenden, muss natürlich darauf geachtet werden, dass deren Jahreszeiten den europäischen entgegengesetzt sind.

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